Zum Inhalt springen
2. April 2013 / Hanno Braun

Schluss

Es hat sich schon eine Weile angekündigt, und es wird Zeit es endlich offiziell zu machen: Ich werde dieses Blog nicht mehr weiterführen.

Warum? Nun, die Idee ein Blog zu führen hat mir immer wesentlich besser gefallen als die tatsächliche Realität. Hier zu schreiben hat mir eine Weile großen Spaß gemacht, aber schon seit geraumer Zeit ist es mehr eine Belastung gewesen. Einen Artikel zu schreiben, der meinen Ansprüchen gerecht wird, ist viel Arbeit. Gerade in den letzten Monaten hatte ich so viel zu tun, dass wesentlich wichtigere Dinge als dieses Blog auf der Strecke geblieben sind. In dieser Situation lässt sich die Zeit und Energie, die ein Blog erfordert nicht wirklich rechtfertigen.

Ein weiterer Grund ist ein Mangel an Material. Ich dachte durch meine Reisen hätte ich hier mehr als genug zu schreiben, aber diese Annahme hat sich als falsch erwiesen. Klar hab ich das ein oder andere erlebt, aber das meiste davon ist für einen Blog-Artikel zu banal, zu persönlich oder beides.

Mit meinen Reisen stehe ich gerade erst am Anfang und auch als Läufer habe ich noch viel vor. Ich werde auch in Zukunft viel zu erzählen haben, aber ein Blog ist, für mich persönlich, das falsche Format. Schreibt mir lieber eine Email (mail@hannobraun.com) oder trefft euch mit mir auf ein Bier. Direkter Kontakt ist weniger Arbeit und für mich wesentlich wertvoller, als es ein Blog je sein kann.

lissabon

Grüße aus Lissabon

18. Dezember 2012 / Hanno Braun

Ich bin auf Reisen

Es gibt da eine Sache, über die ich mir schon länger Gedanken mache: Frei und ungebunden zu sein, keinen festen Wohnort zu haben, dahin zu reisen wo ich gerade hin will und dort zu leben so lange oder so kurz es mir passt. Endlich mal die Welt sehen.

Viele Menschen kennen dieses Fernweh, aber nur die wenigsten setzen solche Pläne in die Tat um. Manche gehen einem Beruf nach, den sie nur an einem bestimmten Ort ausüben können. Andere haben Familie oder sogar Kinder, die sie von längeren Reisen abhalten. Und einige könnten sich ihre Wüsche erfüllen, haben aber einfach Angst vor diesem Schritt. Natürlich geben sie das nicht zu. Warum auch, es gibt immer genug Ausreden, hinter denen man sich (und seine Angst) verstecken kann.

Ich gehörte lange genug zu der letzten Gruppe. Als Softwareentwickler ist es bei mir wirklich egal, von wo ich meine Arbeit mache, sofern dieses “wo” über Strom und eine Internetverbindung verfügt. Und spätestens nach Abschluss meines Studiums hat mich auch nicht mehr viel in Darmstadt gehalten.

Trotzdem gab es immer genug Gründe, warum es gerade jetzt nicht geht (aber ganz bestimmt “irgendwann mal”). Zum Glück bin ich zu stur, um mich lange von meinen Plänen abhalten zu lassen. Der Tag, an dem ich Hessen verlasse um die Welt unsicher zu machen, musste irgendwann kommen, und er kam schließlich auch. Am 31. Oktober zog ich aus meiner Wohnung in Darmstadt aus und habe seitdem kein dauerhaftes Zuhause mehr.

Bevor ich erzähle, was ich seitdem so getrieben habe, will ich erstmal erklären, warum ihr hier überhaupt von Dingen lest, die so wenig mit Laufen zu tun haben: Wenn man erstmal beginnt, Leuten davon zu erzählen, dass man bald aus seiner Wohnung auszieht, alle seine Sachen einlagert, wegschmeißt, verschenkt oder auf andere Art wegschafft und nur mit einem Rucksack bewaffnet die Welt erkunden will, dann erntet man damit verschiedenste Reaktionen. Einen Aspekt hatten diese Reaktionen aber gemeinsam: Jeder möchte auf dem Laufenden gehalten werden.

Das stellte mich vor ein Problem: Ich kann mich unmöglich bei allen, die Bescheid wissen wollen, einzeln melden. Zum Glück kam bald der Vorschlag ein Blog zu diesem Zweck einzurichten (danke Jane!). Nun ist das Letzte was ich brauche noch ein weiteres Blog, das ich schrecklich vernachlässige. Daher meine revolutionäre Idee: Zwei vernachlässigte Blogs ergeben zusammen ein ganz ok betreutes Blog. Aus “Hannos Laufblog” wird “Hannos Lauf- und Reiseblog”.

Jetzt aber weiter mit den eigentlichen Reisen: Diese fingen erstmal, sehr bescheiden, mit einem zweiwöchigen Aufenthalt bei meinen Eltern an, wo ich noch einige Ereignisse abwarten musste, bevor es losgehen konnte. Danach folgte ein einwöchiger Besuch in Karlsruhe, bei guten Freunden und ehemaligen Mitbewohnern.

So schönes Wetter habe ich seitdem nicht mehr erlebt.

Typischer Karlsruher Anblick: Schloss bei schönem Wetter.

Da ich über Weihnachten wieder in Südhessen sein wollte, wählte ich als nächstes nochmal ein nicht allzu weit entferntes Ziel:

Berlin!

Berlin!

Mein 4-wöchiger Aufenthalt in der Hauptstadt lässt sich durch die folgende Bilderserie ganz gut zusammenfassen.

berlin-1

berlin-2

berlin-3

Ich weiß, manche warten das ganze Jahr auf dieses Scheißwetter. Ich kann darauf verzichten.

Inzwischen hat es mich wieder in heimische, südhessische Gefilde verschlagen, und hier werde ich auch voraussichtlich bis Anfang Januar bleiben. Danach geht es, Gerüchten zufolge, raus aus dem deutschen Winter.

23. November 2012 / Hanno Braun

Blog zur Treburer Laufnacht

Leider hab ich es dieses Jahr nicht zur Treburer Laufnacht geschafft und damit ein Lauf-Highlight des Jahres verpasst. Sehr schade, aber wenigstens konnte ich indirekt ein bißchen teilhaben. Mein Leser “Kirby” war dabei, hat darüber gebloggt und mir freundlicherweise den Link geschickt: http://kirbythoughts.wordpress.com/2012/11/17/4-treburer-laufnacht-09-11-2012/

Hoffentlich klappt’s wieder nächstes Jahr!

15. November 2012 / Hanno Braun

24. Bessunger Merck-Lauf

Knapp eine Woche nachdem ich zum ersten Mal seit ein paar Monaten wieder an einem Lauf teilgenommen hatte stand auch schon der nächste ins Haus: Der Bessunger Stadtteillauf am 15. September. Dieser Lauf würde anders werden als meine bisherigen: Bis auf wenige Ausnahmen war ich immer alleine unterwegs. Diesmal würde ich als Teil eines Teams antreten.

Team Cowo21

Das Team Cowo21. Ich bin an den Schuhen und der Wampe problemlos zu erkennen.

Mein Teamkollege Kersten hatte sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die 10 Kilometer unter einer Stunde zu schaffen. Ich hatte genau das schon mehr als einmal versucht, war aber bisher an dieser Marke gescheitert. Was sollte ich tun? Mit meinem Training war ich voll zufrieden, aber mein durchwachsenes Ergebnis in Erbach eine Woche vorher ließ eine solche Zeit nicht gerade wahrscheinlich erscheinen.

Ich würde fast 10 Minuten schneller laufen müssen als in Erbach, aber meine Erbacher Langsamkeit war vor aus Mangel an Willen enstanden. Meine körperlichen Grenzen hatte ich in diesem Rennen nicht erreicht. Darüber hinaus war die Strecke in Bessungen wesentlich flacher und mit dem hügeligen Erbacher Kurs kaum zu vergleichen. Ich entschied mich schließlich es wenigstens zu versuchen.

Start

Los geht’s!

Gleich nach dem Start merke ich, dass es heute besser läuft als in Erbach. Ich fühle mich fit und komme mit der Geschwindigkeit gut klar. Kersten läuft wesentlich schneller als die nötigen 10 km/h und ist bald vor mir verschwunden. Vielleicht überschätzt er sich und ich sehe ihn bald wieder, vielleicht auch nicht. So oder so, 10 km/h zu laufen ist schwer genug und ich kann es mir nicht leisten mich auf Abenteuer einzulassen.

Das Rennen besteht aus mehreren Runden, und jede davon laufe ich routiniert mit der selben Geschwindigkeit. Ich fühle mich schnell. Keine Geschwindigkeit, die ich für lange durchhalten kann, aber wenn alles nach Plan läuft wird eine Stunde auch ausreichen. Es gibt keine Marker an der Strecke, an denen ich ablesen könnte wie weit das Rennen noch geht, aber ich weiß zu welchen Zeiten ich jeweils im Start- und Ziel-Bereich vorbeikommen muss. Beinahe überrascht stelle ich fest, dass ich Runde für Runde diese Zeiten einhalte.

Dieser Gedanke beflügelt mich. Knapp einen Kilometer vor dem Ziel ziehe ich an, gebe alles was ich noch habe. Auf den letzten hundert Metern bekomme ich kaum noch genug Luft. Egal. Das Ziel ist schon in Sichtweite. Ausruhen kann ich mich, wenn ich es erreicht habe.

Zieleinlauf

Der Mühen Lohn. (Kersten kam hier bereits über 7 Minuten früher vorbei.)

Ergebnis: 58:59

Mein heutiges Ziel habe ich damit um über eine Minute unterboten. Meine bisherige Bestzeit um fast 3 Minuten.

Mit diesem Tag kann ich nur zufrieden sein. Bestes Laufwetter, ein gut organisiertes Rennen, eine neue Bestzeit und nicht zuletzt hatte ich viel Spaß dabei.

Vielen Dank an Johannes für das Gruppenbild. Die restlichen Fotos sind von der Website des Bessunger Stadtteillaufs.
10. November 2012 / Hanno Braun

7. Erbacher Stadtlauf

Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, ist aber noch gar nicht so lange her: Im September 2010, vor gut zwei Jahren, nahm ich an meinem ersten Rennen teil. Es waren zehn hügelige Kilometer durch Erbach, die mich nicht nur völlig verausgabten, sondern auch mein Leben veränderten: An diesem Tag wurde ich zum Läufer.

Seitdem habe ich einiges erlebt. Es gab Höhen und Tiefen, Euphorie und Frustration. Und ich habe viel gelernt. Unter anderem das: Normalerweise wird man nicht Letzter. Egal wie sehr man mit der Strecke überfordert ist, wie schlecht die Ernährung und das Training waren und wie falsch man seine Kraft einteilt. Es gibt eigentlich immer jemanden, der noch länger braucht. Eigentlich.

In Erbach stehen die Dinge etwas anders. Hier hatte ich die fragwürdige Ehre gleich zweimal in Folge, 2010 und 2011, den letzten Platz zu belegen. Aber was würde der Erbacher Stadtlauf im Jahr 2012 für mich bringen? Würde ich meine Serie fortsetzen und ein drittes Mal Letzter werden?

Erbach

Da es von offizieller Seite nur ca. eine Million Fotos vom Kinder-Lauf gibt, aber kaum sonst welche, hier ein nichts-sagendes Bild von Erbach.

Am 9. September ist es endlich soweit. Der Tag der Wahrheit. Kann ich es schaffen? Werde ich den Fluch von Erbach brechen können? Ich weiß, es wird nicht einfach. Deshalb ist meine Strategie vorsichtig: Ich halte mich zurück, verausgabe mich nicht an den Steigungen (davon gibt es zwei, und ich muss die eine viermal, die andere fünfmal hoch) und gebe auf der Zielgeraden nochmal richtig Gas.

Eine weitere Schwierigkeit ist, dass ich meine Fitness nicht gut einschätzen kann. Mit meinem Training in letzter Zeit war ich sehr zufrieden. Subjektiv bin ich definitiv schneller geworden, aber was bedeutet das wirklich? Meist bin ich im Training kürzere Strecken gelaufen, und kein einziges Mal hab ich dabei die Zeit gestoppt.

Mir bleibt nichts anderes übrig als im Rennen zu sehen wie es läuft, und ich merke schnell, es läuft heute nicht besonders. Die Sonne knallt, die Strecke ist genauso hügelig, wie ich sie in Erinnerung habe und irgendwie komme ich nicht so ganz in die Gänge. Dabei werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mich etwas zu gut an den Plan halte. Klar, es wäre ein großer Fehler auf dem letzten, entscheidenden Stück keine Kraft mehr zu haben, aber zu viel zu sparen und von Anfang an zu langsam zu sein ist auch keine gute Idee.

Am Ende fehlt mir einfach der Wille. Ich laufe langsamer als ich sollte, und nach der Hälfte des Rennens zeigt der Blick auf die Uhr, dass kein gutes Endergebnis mehr zu erwarten ist. Spätestens an dem Punkt ist die Luft raus. Ich laufe die restlichen Kilometer auf keinen Fall gemütlich, aber auch nicht gerade an meiner Leistungsgrenze.

Ergebnis: 1:09:16

Etwa eine Minute langsamer als letztes Jahr und damit nicht mal für die schwierige Strecke in Erbach eine gute Leistung. Wie aber ist meine Platzierung? Es waren definitiv noch Läufer hinter mir, aber liefen die das selbe Rennen oder waren es Teilnehmer der zeitgleich stattfindenden 10km-Staffel? Bin ich vielleicht schon wieder letzter im 10km-Lauf geworden?

Tief drinnen weiß ich es eigentlich schon, aber der Blick auf die Ergebnislist gibt mir die Bestätigung: Der Fluch von Erbach ist intakt. Mein großes Ziel, nicht Letzter in Erbach zu werden, darf auch 2013 fortbestehen. Trotzdem bin ich zufrieden mit diesem Tag. In Erbach zu laufen macht immer großen Spaß, und bei schönstem September-Wetter Letzter zu werden ist immer noch besser als zu Hause zu bleiben.

Das Erbach-Bild ist von der Webseite des Erbacher Stadtlaufs.
17. Mai 2012 / Hanno Braun

7. Uhldinger Pfahlbau-Marathon (Halbmarathon)

Vor dem heutigen Renn-Bericht erstmal eine Nachricht zur Zukunft dieses Blogs: Dass hier in letzter Zeit wenig los war ist kein Geheimnis. Das liegt vor allem an mangelnder Motivation, für’s Laufen an sich, aber auch für das Schreiben von Artikeln hier.

Ich bin fest entschlossen meine Lauf-Gewohnheit wieder in den Griff zu bekommen und mein großes Ziel für dieses Jahr, den ersten Marathon, zu erreichen. Leider hab ich das Gefühl, dass dieses Blog dem eher im Weg steht als hilft. Ich hatte eine Weile wirklich Spaß hier zu schreiben, aber in letzter Zeit war es mehr eine Belastung. Deswegen habe ich beschlossen mich auf die Läufe an sich zu konzentrieren, und das Schreiben darüber zurückzufahren.

Was das genau bedeutet wird sich noch zeigen. Ich werde mindestens die Ergebnisse meiner Läufe weiter hier posten. Vielleicht werde ich dann auch was dazu schreiben, oder auch nicht. In diesem Sinne, hier erstmal der Mini-Bericht zu meinem letzten Rennen:

Letzte Woche lief ich den Uhldinger Pfahlbau-Marathon, einen Halbmarathon am Bodensee. Ja, ich finde es auch komisch, dass es Marathon heißt aber nur ein Halbmarathon ist.

Ich hatte kaum trainiert und die Strecke war hüglig. Trotzdem war ich zuversichtlich, dass ich es irgendwie schaffen würde. So  kam es dann auch: Zwar war es am Tag des Rennens ziemlich nass und die Strecke dadurch teilweise ziemlich mitgenommen, aber trotzdem ließ sich alles bewerkstelligen.

Ergebnis: 2:39:27

Ich bin zufrieden. Ohne richtiges Training seit meinem letzten Halbmarathon war auf der schwierigeren Strecke nicht mehr zu erwarten.

Alles Show. Das Bild entstand auf dem letzten Kilometer und was hier wie lockeres Joggen aussieht war tatsächlich meine absolute Maximalgeschwindigkeit.

Vielen Dank an den Fotoclub Uhldingen für das Bild.
30. März 2012 / Hanno Braun

10. Lufthansa Halbmarathon

Im Januar hatte ich angekündigt, dass ich dieses Jahr meinen ersten Marathon laufen möchte, am 22. April im Taunus. Natürlich hatte ich noch ein paar Vorbereitungsläufe angesetzt. Einer davon war der Lufthansa Halbmarathon am 11. März.

Die Voraussetzungen waren allerdings denkbar schlecht: Nachdem ich schon eine ganze Weile keine langen Strecken mehr gelaufen war, wollte ich in Anbetracht des bevorstehenden Halbmarathons noch ein bißchen Training über eine längere Distanz unterbringen: Ca. 17 Kilometer von Darmstadt nach Dieburg, natürlich auch gleich mit Gepäck. Wie sich herausstellt war das wieder mal zu schnell zu viel, und die Quittung kam in Form eines schmerzenden Knies.

Eine Woche später, und nur eine Woche vor meinem Halbmarathon-Termin, machte ich noch einen Probelauf. Das Ergebnis: Das Knie tat beim Laufen immer noch weh. Nicht wirklich schlimm, aber es würde natürlich nicht besser werden, wenn ich es ignoriere. Daher war noch ein paar Tage Schonung angesagt.

Eine weitere Woche später war es dann so weit. Ich setzte mich in den Zug nach Frankfurt, entschlossen es wenigstens zu probieren. Aber konnte ich den Halbmarathon schaffen? Ich hatte meine Zweifel. Meine kleine Knieverletzung war natürlich nicht die beste Ausgangslage, aber es gab noch mehr Unsicherheiten: Für meinen letzten Halbmarathon hatte ich fast 3 Stunden gebraucht (2:53:56). Diesmal gab es eine Zielschlusszeit von 2:45. Ich würde meine bisherige Bestzeit also um über 8 Minuten unterbieten müssen, um überhaupt noch in die Wertung aufgenommen zu werden.

Zumindest sprach für mich, dass es nicht mein erster Halbmarathon war, und ich somit Erfahrungen aus dem Rennen in Karlsruhe ziehen konnte. In Karlsruhe hatte ich nach 16 Kilometern überhaupt keine Energie mehr und konnte mich gerade so ins Ziel schleppen. Dem hatte ich diesmal mit einem ausgiebigen Frühstück vorgebeugt. Auch mein anderes großes Problem auf Karlsruhe wollte ich nicht noch einmal erleben, weswegen ich kurz vor dem Start noch ein paar (gut investierte) Minuten auf dem Klo verbrachte.

Kurz nach 10 geht es dann endlich los. Mir wird schnell klar: Mein angenehmstes Rennen wird das nicht. Nach ziemlich genau 8 Minuten fängt mein Knie wieder an zu schmerzen. Etwa 10 Minuten später rumort auch der Magen: Anscheinend war mein ausgiebiges Frühstück etwas zu ausgiebig.

Mein Knie macht mir keine großen Probleme. Solange der Schmerz so bleibt wie er ist,  kann ich es einfach ignorierern. Schlimmer fühlt sich dagegen mein Bauch an. Jeder, der schon mal mit vollem Magen Sport gemacht hat kennt das unangenehme Gefühl. Heute finde ich heraus was passiert, wenn man trotzdem einfach weitermacht: Zeitweise ist es ok, dann durchzuckt wieder ein Schmerz meinen Magen. Trotzdem bin ich entschlossen nicht aufzugeben.

Nach 1:07:23 erreiche ich die 10-Kilometer-Marke. Ein paar hundert Meter später ist das Rennen bereits zur Hälfte überstanden, und das mit noch über eineinhalb Stunden Zeit. Zum ersten Mal wird mir klar, dass ich den Halbmarathon tatsächlich schaffen kann.

Mit frischer Motivation mache ich weiter, aber die Anstrengung fordert bald ihren Tribut. Ein Halbmarathon fängt erst wirklich auf dem letzten Viertel an, und nach 15-16 Kilometern werden die Beine immer schwerer. Nach etwas mehr als 2 Stunden auf den Beinen erreiche ich die 17-Kilometer-Marke.

Ich bin müde, fühle mich aber insgesamt noch gut. Dass ich das Ziel rechtzeitig erreiche ist inzwischen klar, aber ich kann noch mehr schaffen: Wenn ich die letzten Kilometer einen Schnitt von 7 Minuten pro Kilometer halten kann, werde ich noch unter 2:30 ins Ziel kommen. Dafür müsste ich mein Tempo, dass inzwischen eher an Kriechen als an Laufen erinnert, ordentlich erhöhen, aber eine halbe Stunde lang wird das doch auszuhalten sein.

Die Strecke ist auf den letzten Kilometern flach, aber bevor ich das Stadion erreiche, in dem sich das Ziel befindet, muss noch eine Autobahnbrücke überquert werden. Nach 20 Kilometern ist das eine echte Herausforderung, die mich wieder Zeit kostet. Die 2:30-Marke kommt näher. Das wird eine knappe Sache.

Kurze Zeit später ist der Eingang des Stadions bereits in Sichtweite. Ich sehe andere Läufer im Stadion verschwinden, allerdings trennt mich ein Zaun von ihnen. Die Strecke verläuft erst noch einmal um das Stadion herum. Das sind die letzten Meter. Jetzt muss noch mal alles gegeben werden. Es wird immer schwieriger das Tempo aufrecht zu erhalten, aber bald kommt der Eingang in Sicht, und gleich danach auch das Ziel. Hinter der Ziellinie kann ich kaum noch aufrecht stehen, aber ich bin überglücklich. Ich bin noch unter zweieinhalb Stunden geblieben.

Ergebnis: 2:29:31

Trotz aller Zweifel ob ich es schaffen kann, habe ich das Rennen beendet, und das noch in einer viel besseren Zeit als ich für möglich gehalten hatte. Trotzdem war nicht alles positiv: Meine Knieschmerzen hatten sich nach dem Rennen wieder verschlimmert. Ich konnte das nicht ignorieren, oder es wäre nur eine Frage der Zeit, bis es sich zu etwas wirklich ernstem entwickelt. Daher war erstmal eine mehrwöchige Trainingspause angesagt.

Leider bedeutet das auch, dass mein geplanter Marathon am 22.4. nicht zu schaffen sein wird. Trotzdem bin ich fest entschlossen noch dieses Jahr einen Marathon zu laufen. Wann das passiert hängt allerdings davon ab, wie gut sich mein Knie erholt.

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.